Wie wird man eigentlich Diplom-Dolmetscher?

Bei mir begann die Ausbildung an der Universität Heidelberg am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) mit dem Studiengang Übersetzen/Dolmetschen. Das Studium ist so aufgebaut, dass man nach dem gemeinsamen Grundstudium sein Vordiplom ablegt und dann entscheidet, ob man Übersetzen (schriftlich) oder Dolmetschen (mündlich) studieren möchte.

Falls man sich für Dolmetschen entscheidet, findet ein einsemestriges Auswahlverfahren statt (Propädeutikum), wo vor allem Konsekutivdolmetschen unterrichtet und geübt wird. Dazu gehören unter anderem das Erlernen einer spezielle Notizentechnik, Sprecherziehung und Gedächtnistraining. Am Ende dieses Semesters wird bestimmt, wer zu einer Abschluß- bzw. Qualifikationsprüfung zugelassen wird. Dabei gilt es, vor Publikum eine fünfminütige Rede aus der Fremdsprache ins Deutsche konsekutiv zu dolmetschen.

Wer hier besteht, ist zum Dolmetschstudium zugelassen. Im Hauptstudium kommt Simultandolmetschen hinzu, unter anderem mit wöchentlichen Übungskonferenzen und "echten" Rednern. Weitere Schwerpunkte sind Linguistik, Dolmetschwissenschaft, Recherchestrategien, Literatur und Landeskunde sowie Geschichte für die jeweils relevanten Sprachräume, Übersetzen von Konferenztexten (Protokolle, Übereinkommen, Satzungen ...) und Sprecherziehung. Zusätzlich muss ein so genanntes Ergänzungsfach belegt werden, in meinem Fall zum Beispiel VWL und Wirtschaftsinformatik. Das Studium endet mit der Diplomarbeit und den Abschlußprüfungen.

Erst nach erfolgreichem Abschluss darf man sich "Diplom-Dolmetscher" bzw. "Diplom-Dolmetscherin" nennen.